Zu viele Handwerksbetriebe rechnen sich systematisch arm. Sie setzen einen Stundensatz an, der sich „marktüblich" anfühlt — und merken erst am Jahresende, dass unterm Strich zu wenig hängen bleibt. Der Grund ist fast immer derselbe: Der Satz deckt nicht die echten Kosten. So machst du es richtig.
Warum der gefühlte Stundenlohn nicht reicht
Wenn du 25 Euro Stundenlohn zahlst und 45 Euro abrechnest, klingt das nach 20 Euro Plus pro Stunde. Ist es aber nicht. In den 45 Euro müssen Lohnnebenkosten, Miete, Fahrzeuge, Werkzeug, Versicherung, Büro, Software und dein Gewinn stecken — und all das verteilt auf die Stunden, die du wirklich abrechnen kannst. Rechnet man das sauber, liegt der nötige Satz fast immer deutlich höher.
Die Formel
Drei Bausteine entscheiden über das Ergebnis:
1. Personalkosten
Nicht nur der Bruttolohn, sondern die Vollkosten: Sozialabgaben des Arbeitgebers, Lohnfortzahlung im Urlaub und bei Krankheit, Weihnachts- und Urlaubsgeld. Faustregel: Rechne auf den Bruttolohn rund 25 bis 30 Prozent Nebenkosten drauf.
2. Produktive Stunden
Das ist der Hebel, den die meisten unterschätzen. Ein Mitarbeiter ist grob 2.000 Stunden im Jahr bezahlt — aber davon gehen ab: Urlaub, Feiertage, Krankheit, Fortbildung, Fahrten zur Baustelle, Lager- und Rüstzeiten, Angebote schreiben. Was übrig bleibt und wirklich abrechenbar ist, sind meist nur 1.400 bis 1.600 Stunden. Rechnest du mit 2.000, kalkulierst du automatisch zu niedrig.
3. Gemeinkosten und Gewinn
Gemeinkosten sind alle Betriebskosten, die keinem einzelnen Auftrag zuzuordnen sind — Miete, Fahrzeuge, Versicherungen, Verwaltung, Marketing. Sie werden anteilig auf die produktiven Stunden umgelegt. Der Gewinnzuschlag (üblich 8 bis 15 Prozent) ist keine Gier, sondern deine Rücklage für Investitionen und schlechte Jahre.
Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir einen produktiven Gesellen:
- Personalkosten inkl. Nebenkosten: 52.000 € / Jahr
- Anteilige Gemeinkosten: 28.000 € / Jahr
- Produktive Stunden: 1.500
- Gewinnzuschlag: 12 %
(52.000 € + 28.000 €) ÷ 1.500 h = 53,33 € Selbstkosten/Stunde
53,33 € × 1,12 = rund 60 € Netto-Stundenverrechnungssatz
Wer hier aus dem Bauch 45 Euro nimmt, verschenkt pro Stunde 15 Euro — bei 1.500 Stunden sind das über 22.000 Euro im Jahr, die dem Betrieb fehlen.
Die häufigsten Fehler
- Nur den Lohn ansetzen, Lohnnebenkosten vergessen.
- Mit zu vielen produktiven Stunden rechnen (2.000 statt realistischer 1.500).
- Gemeinkosten grob raten statt aus der BWA ziehen.
- Keinen Gewinnzuschlag einplanen — „läuft schon irgendwie".
- Den Satz jahrelang nicht anpassen, obwohl Löhne und Material gestiegen sind.
Rechne deinen echten Satz einmal sauber durch — mit deinen Zahlen geht das im Rechner unten in zwei Minuten.
Stand: Juli 2026. Alle Angaben ohne Gewähr — dieser Rechner ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.
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